Geschichte

historie des TSV Pilgerzell

„Das Jahr 1912 gilt als Gründungs- und Jubiläumsjahr“ – diese grundlegende Formulierung ist in der neuen Satzung des Turn- und Sportvereins 1912/29 Pilgerzell e.V. enthalten, die im Jahr 1979 ausgearbeitet wurde. Durch den Beschluss  dieser Satzung in der Mitgliederversammlung und den Eintrag in das Vereinsregister beim Amtsgericht Fulda wurde dem TSV Pilgerzell die Gemeinnützigkeit zuerkannt. Im Jahr 2012 hat unser Verein sein 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Doch alles der Reihe nach:

Am 16. Juni 1912 kamen 14 junge Männer im Gasthaus „Zur Linde“ zusammen, um den „Turnverein 1912 Pilgerzell“ aus der Taufe zu heben. Sie hatten seinerzeit mit für die heutigen Verhältnisse nicht vorstellbaren Schwierigkeiten zu kämpfen. Damals war der Rasensport auf dem Land noch ziemlich unbekannt und viele Bürger standen dem Interessengebiet der jungen Männer skeptisch gegenüber. Aber weil andere Vereine in der näheren Umgebung von Pilgerzell mit dem Turn- und Fußballbetrieb begonnen hatten, schritt man auch hier zur Tat.

Rochus Schultheiß übernahm im Jahre 1912 den Vorsitz und schon nach einem Jahr registrierte der Verein 46 Mitglieder. Geturnt wurde zunächst auf dem Gartengrundstück eines der Mitglieder, bereits ein Jahr später konnten  durch persönliche Opferbereitschaft Turngeräte selbst gebaut und angeschafft werden. 1913 kehrten Pilgerzeller Turner als Sieger vom Rhön- und Gauturnfest heim.

Foto: Rochus Schultheis (li.) war der erste Vorsitzende des TSV im Gründungsjahr 1912, rechts daneben Hermann Bohl, Vorsitzender von 1946-53

Viel schwieriger gestalteten sich die Bemühungen der Fußballbegeisterten, ein geeignetes Gelände ausfindig zu machen. (Das erste Wettspiel zwischen einer Pilgerzeller Fußballmannschaft und einem Gegner aus Steinhaus hatte bereits im Jahre 1911 stattgefunden.) Bei den Verantwortlichen der Gemeinde ernteten sie nur Kopfschütteln, als ein entsprechender Vorstoß unternommen wurde. Nur auf auswärtigen Plätzen konnten die Pilgerzeller Kicker ihrem neuen, vielen recht wesensfremden Hobby nachgehen. Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, kam das Vereinsleben vorerst zum Erliegen.

1919, ein Jahr nach Kriegsende, rief Rochus Schultheiß zum Neubeginn auf. Mit Ihm als Vorsitzenden des Turnvereins wurde ein Neuanfang mit 50 Mitgliedern unternommen. Im gleichen Jahr gründeten einige Mitglieder des Turnvereins den Fußballclub „Schwarze Elf“. Vorsitzender war Alfred Hofstetter. Das erste Spiel endete mit einer herben 1:13-Niederlage gegen Britannia Eichenzell. Aber auch dieser Mannschaft fehlte das geeignete Fußballfeld. Die zweijährigen Bemühungen, eines zu erhalten, blieben blieben ohne Erfolg. Resigniert schloss sich die „Schwarze Elf“ wieder als Fußballabteilung dem Turnverein an.

Foto: „Die schwarze Elf“

 

Mit dem Vorsitzenden, Edmund Mahr, hatten die Fußballer alsbald jedoch einen Fürsprecher, mit dessen Unterstützung es gelang, das Wiesengrundstück „An der Säuhut“ (heute: „An der Hut“) als Sportgelände zu erhalten. Das Sportfeld kam zunächst arg rudimentär daher: Über den Platz verlief ein Feldweg und von Zeit zu Zeit grasten auch Schweine und Kühe auf dem sogenannten Fußballfeld.

Daher mussten alle Mitglieder Hand anlegen, um die Wiesenfläche einigermaßen bespielbar zu machen. 1925 fand die Fahnenweihe statt; der Turnverein Poppenhausen war Patenverein. Den Fußballern, als Abteilung im Turnverein Pilgerzell, bereiteten die Bestimmungen des Westdeutschen Fußballverbandes seinerzeit Probleme  Gegner zu finden. Zunächst schlossen sich die Pilgerzeller der DJK (Deutsche Jugendkraft) an.

Die Pilgerzeller ließen sich aber nicht entmutigen und schritten 1929 zu einer erneuten Vereinsgründung unter dem Vorsitzenden Robert Hartmann. Den ganzen Verein umtrieb das ehrgeizige Ziel, die Sportplatzfrage endlich zu lösen. Hartmann traf mit der Gemeinde die Vereinbarung über die Nutzung des Geländes an der Hut. Die Fußballer zahlten den Turnern einen Obolus von 75 Reichsmark für die Benutzung des Spielfeldes, das nun beiden Vereinen zustand. Der Platz wurde durch freiwilligen Arbeitseinsatz hergerichtet und angelegt, und beide Vereine konnten nun ihren Sportbetrieb ausüben. Ab diesem Zeitpunkt erhielt die Sportbewegung in Pilgerzell neuen Auftrieb: 1930 konnte das erste Sportfest in Pilgerzell gefeiert werden. Eine „Zweite“ und  Jugendmannschaften wurden bald danach gebildet, Leichtathleten fuhren erste Erfolge ein.

Nachdem im Jahre 1931 der Anschluss an den Westdeutschen Fußballverband möglich gemacht wurde, übernahm Josef Leinweber 1932 den Vorsitz des Vereines. Er war sowohl aktiver Fußballer als auch Leichtathlet und wurde 1933 Gaumeister im 5000-Meter-Lauf .

Foto: Mitglieder des Turnvereins am Vatertag

Die politischen Verhältnisse änderten sich jedoch drastisch. Als 1933 die DJK (Deutsche Jugendkraft) von den damaligen Machthabern aufgelöst worden war, schlossen sich den Pilgerzellern viele Turner und Leichtathleten an. Der Sportbetrieb erlahmte jedoch zusehends, als ab 1933 die Männer zum Arbeitsdienst und Militär eingezogen wurden. 1940, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde der gesamte Spielbetrieb schließlich eingestellt.

Fünf Jahre später begann relativ bald nach dem Kriegsende der Neuaufbau. Nach den Richtlinien der amerikanischen Besatzungsmacht durften jedoch keine zwei Vereine in einem Ort bestehen. Folglich wurde im Jahre 1946 die „Sportgemeinschaft Pilgerzell“ gegründet. Diesem stand Hermann Bohl vor.  Um den Sportbetrieb in Gang zu bringen, musste das Gelände an der „Säuhut“ nach Bombeneinschlägen hergerichtet werden. Kurz darauf wurde der Beitritt zum neugebildeten Hessischen Fußballverband unter dem Dach des Landessportbund Hessen vollzogen. Die Pilgerzeller Mannschaften spielten in der B-Klasse, Gruppe Fulda-Mitte, und rückten nach der Neueinteilung zwei Jahre später in die A-Klasse auf.

Im gleichen Jahr wurde der Name „Turngemeinschaft“ in „TSV 1912/46“ geändert. Nicht nur die Pilgerzeller Fußballspieler waren in der Folgezeit aktiv, sondern auch die Turner, die Tischtennisspieler und die Damen, die eine Turnriege und eine Handballmannschaft gebildet hatten. Da die Vereinsfahne aus dem Jahr 1925 von der Besatzungsmacht beschlagnahmt worden war, gab der Verein die Herstellung einer neuen Vereinsfahne in Auftrag. Diese wurde in der Kunstwerkstatt der Fuldaer Benediktinerinnen angefertigt. Heute befindet sich die Fahne in einem Glasschrank des Sportlerheims am neuen Sportplatz am Andreasweg und wird zu wichtigen Anlässen und Jubiläen von Mitgliedern getragen. 1950 fand die Fahnenweihe statt, die Partnerschaft übernahm die Fuldaer Turnerschaft.

Foto: Die Vereinsfahne des TSV Pilgerzell, die noch heute in einem Glasschrank des Sportlerheims zu finden ist.

Ein wichtiger Abschnitt war die notwendige Vergrößerung des Sportplatzes an der Hut im Jahre 1950. Die Gemeinde hatte angrenzendes Gelände für eine Erweiterung zur Verfügung gestellt. In schwieriger Eigenarbeit der Mitglieder wurden die Flächen per Hand abgetragen und eingeebnet, ehe sich der Platz einigermaßen im Lot befand. Zugleich wurden damals die Stützmauer erstellt und die Bäume angepflanzt, die heute noch vorhanden sind. Die Platzeinweihung wurde 1951 in großem Rahmen begangen.

An der Säuhut konnte unser Verein in den Jahren 1955 und 1956 zweimal die Meisterschaft in der A-Klasse feiern. Der Aufstieg in die damalige Zweite Amateurliga blieb unserer Mannschaft jedoch verwehrt. Sie scheiterte in den Aufstiegsspielen, die es heute in dieser Form nicht mehr gibt, an Philippsthal, der Spvgg. Hersfeld, Bad Soden, Mittelkalbach, Lispenhausen und Tann, die in ihren Gruppen jweils Meister geworden waren. Einige Jahre nach der Platzeinweihung, genauer gesagt 1958, wurde auch das Umkleidehäuschen erweitert.

Foto: Die Meistermannschaft von 1955

1961 wurde Eugen Herber Erster Vorsitzender des TSV. Der Vereinsvorstand war seit 1962 bestrebt, die Säuhut trotz der sportlichen Erfolge gegen ein modernes Sportgelände in Dorfnähe einzutauschen. Der Antrag des Vereins beim damaligen Bürgermeister Josef Hillenbrand wurde abgelehnt, da der genaue Verlauf der Autobahn A7 durch die Gemarkung Pilgerzell noch nicht eindeutig war. Erst als der Landkreis Träger aller Schulen wurde und beschloss, in Pilgerzell eine Grundschule und Mittelpunktschule zu errichten, konnte die Gemeinde Pilgerzell dem Landkreis Grundstücksflächen zur Verfügung stellen, um ein Schulgebäude mit Turnhalle und einer angrenzenden Sportanlage zu errichten. Es sollten aber noch einige Jahre ins Land gehen, bis die Anlage fertig errichtet war.

Anfang bis Mitte der 60er Jahre durchlebte der Verein eine sportliche Durststrecke. Das allgemeine Interesse am Sport hatte nachgelassen und etliche Spieler zogen sich damals aus dem Tagesgeschehen zurück – wohl auch, weil im Gegensatz zu anderen Vereinen manche infrastrukturellen Grundvoraussetzungen wie wie ein Sportlerheim und Trainingsgelegenheiten fehlten. Nachdem in den Spielzeiten 62/63 und 64/65 der Abstieg mit Müh und Not noch zweimal verhindert werden konnte, war dies 1966 nicht mehr möglich. Der TSV Pilgerzell stieg in die B-Liga ab und begann somit wieder in der untersten Klasse.

Vier Jahre später wäre die Rückkehr in die A-Klasse um ein Haar gelungen. Punktgleich mit Frischauf Fulda an der Spitze liegend wurde das Entscheidungsspiel am Bachrain vor 2000 Zuschauern leider mit 0:5 verloren. 1972, pünktlich zum 60. Geburtstag des Vereins, sicherte die Mannschaft mit großem Vorsprung den Titel. Unter Trainer Reinhold Drexler , der die Mannschaft entscheidend verjüngt und verstärkt hatte, gehörte man nun wieder zum Kreis der A-Klasse-Teams. Das Vereinsjubiläum wurde derweil in einem großen Festzelt gefeiert, in dem unter anderem Slavko Avsenik und seine Original Oberkreiner spielten.

Im gleichen Jahr, zehn Jahre nach dem ersten schriftlichen Antrag des Vorstandes, wurde nun auch endlich mit Erdarbeiten auf dem neuen Gelände an der Mittelpunktschule begonnen. Der Fußballplatz wurde im Jahre 1975 fertiggestellt und  durch den damaligen und inzwischen verstorbenen Künzeller Bürgermeister Alfons Schwab eingeweiht. Die Freude war bei den Aktiven und bei der Vereinsleitung jedoch nicht lange vorhanden, denn die Baumängel, die an der Rasenfläche auftraten, erwiesen sich als so gravierend, dass die Gemeinde eine Generalüberholung in Erwägung ziehen musste. Diese erfolgte schließlich 1980/81. In dieser Zeit leistete der alte Platz an der Hut, den die Gemeinde provisorisch hatte ausbessern lassen, wieder gute Dienste.

Mit dem Bau des Sportlerheims konnte 1979 begonnen werden, nachdem der Erste Vorsitzende Arthur Mahr Planung und Finanzierung  mit den zuständigen Behörden verhandelt hatte. Die Bausumme von 250.000 DM wurde über Bundesmittel, Landesmittel, Kreismittel und Gemeindemittel, einen Zuschuss vom Hessischen Fußball-Verband über 15.000 DM, 20.000 DM aus eigener Vereinstasche und nicht zuletzt über mehr als 4950 freiwillig am Bau geleistete Arbeitsstunden unserer Mitglieder mit einem Gegenwert von 75.000 DM aufgebracht. Die Grundsteinlegung erfolgte am 28. Juli 1979, bereits am 9. August 1980 fand die Einweihung statt.

Foto: Vereinsmitglieder stärken sich beim Neubau des Sportlerheims im Jahre 1979.

Die Gemeinde erstellte am neuen Sportgelände zusätzlich eine Außenanlage mit Laufanlage, Sprunganlage, Wurfgelände sowie eine Umzäunung. Im zweiten Bauabschnitt wurden diese Maßnahmen und Erfordernisse in den Jahren 1981 und 1982 erfüllt. Auch die ausgebesserte Rasenfläche erwies sich als stabil, sodass im Laufe der Zeit alle Mannschaften ihre Spiele auf dem neuen Gelände austragen konnten, während das alte Gelände an der Hut fortan als Ausweich- und Trainingsplatz zur Verfügung stehen sollte.

Nachdem unsere erste Seniorenmannschaft einige Jahre in der Südgruppe der A-Liga eingeordnet war, wurde sie wunschgemäß in „heimische Gefilde“ versetzt, nämlich in die A-Liga Fulda-Mitte. Hier feierte der TSV Pilgerzell Ende der 70er Jahre unter Trainer Heinz Straeter seine bislang größten Erfolge. Das Team wurde zweimal Tabellendritter und schaffte einmal gar den zweiten Platz. Diesem Hoch folgte in der Saison 1981/1982, für die sich die Mannschaft einiges versprochen hatte, eine schwierigere Phase, denn sie sah sich relativ unerwartet in den Abstiegskampf verwickelt: Lediglich dank einem Zähler Vorsprung vor dem Drittletzten konnte das neuerliche Abrutschen in die B-Liga vermieden werden. Grundlage dafür waren 9:1 Punkte in den letzte fünf Pflichtspielen, der Klassenerhalt war nach einem 3:1 zum Saisonkehraus beim VfL Lauterbach eingetütet worden.

Ein Jahr später, nach der Saison 1982/1983 konnte sich der TSV Pilgerzell vom sportlichen Tief jedoch nicht mehr erholen stieg erneut in die B-Liga ab. In den darauffolgenden Jahren waren sportliche Erfolge im Seniorenbereich rar gesät, das Ziel A-Liga war in weite Ferne gerückt. Durch die geburtenschwächeren Jahrgänge war es zum Ende der 80er Jahre immer schwieriger geworden, einen Spielbetrieb im Juniorenbereich aufrechtzuerhalten. Es wurde beschlossen, eine Jugendspielgemeinschaft mit Pilgerzell, Engelhelms und Edelzell unter dem Namen JSG Florenberg ins Leben zu rufen.

1991 wurde Klaus-Peter Mahr neuer Erster Vorsitzender des TSV Pilgerzell, er hat bis zum heutigen Tag alle Fäden fest in der Hand. 1992, im Jahr des 80. Geburtstags des Vereins, spielte die erste Seniorenmannschaft durch Umgruppierungen des Fußballverbandes in der A-Liga, stieg jedoch zwei Jahre später in die B-Liga ab.

Foto: Klaus-Peter Mahr war 26 Jahre lang erster Vorsitzender des TSV Pilgerzell

Die Anzahl der fußballbegeisterten Kinder im Verein wuchs allerdings wieder an, sodass 1992 der Beschluss gefasst wurde, die Jugendarbeit wieder in eigene Hände zu nehmen, um wie in der Vergangenheit durch eigene Jugendspieler den Seniorenbereich aufzufüllen und durch eine Ausbildung „vor der Haustür“ die Qualität zu steigern. Im Sportlerheim wurde in diesem Jahr die Thekenanlage erneuert und modernisiert.

1994 stieg die erste Seniorenmannschaft nach verlorenen Relegationsspielen gegen Löschenrod (1:2, 1:2) erneut in die B-Liga ab. Als jedoch ein Jahr später 1995 der Wiederaufstieg der ersten Mannschaft in die A-Liga durch zwei gewonnene Relegationsspiele gegen den SV Maberzell eingefahren wurde, herrschte in Pilgerzell Ausnahmezustand. Nach zwölf Jahren Durststrecke wurde die A-Liga auf sportlichem Wege wieder erreicht worden.

Am Sportgelände wurde 1995 eine feste Grillhütte und Unterstellmöglichkeit neben dem Sporthaus errichtet. Eine sinnvolle und praktische Neuerung, die durch Gemeindezuschüsse in Höhe von 15.000 DM, teilweise durch Spenden, aber vor allem wiederum durch freiwilligen Einsatz unserer Vereinsmitglieder in Eigenleistung ermöglicht wurde. 1999 erhielt unser Sporthaus eine neue Heizungsanlage mit Solarthermie zur Warmwasserbereitung. In diesem Jahr wurde die erste Mannschaft durch Neuregelungen des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) in die B-Liga umgruppiert und spielte somit 2002 zum 90-Jährigen in der untersten Klasse.

Foto: Die erste Mannschaft im Jahre 1995

In der Jubiläumssaison 2002/2003 kam mit der Trainerverpflichtung von Gianni Leonangeli frischer Wind in den Seniorenbereich. Ohne eine Radikalkur mit vielen Neuzugängen absolvierte der TSV mit bewährten Kräften eine klasse Saison, kassierte nur eine Niederlage und fuhr somit völlig verdient den Titel in der B-Liga Fulda-Mitte ein. Im ersten Jahr nach der Rückkehr in die A-Liga spielte unsere Mannschaft gleich wieder oben mit, scheiterte jedoch in der Aufstiegsrelegation gegen Schlüchterner Löwen, Neuhof und Kirchhasel. Seit der Saison 2003/2004 spielt auch eine zweite Seniorenmannschaft des TSV Pilgerzell in Konkurrenz.

2005 war es dann endlich soweit: Nach einer guten Saison, in der man die Meisterschaft in der A-Liga Fulda im Kampf mit Poppenhausen nur um einen Punkt verpasst hatte, setzte sich der TSV Pilgerzell in Relegationsspielen gegen Hohenzell (2:0), Maberzell (3:0) und Löschenrod (1:1) durch und war somit erstmals in der Bezirksliga angekommen.

Foto: Erstmaliger Aufstieg in die damalige „Bezirksliga“ unter Trainer Gianni Leonangeli

2006 wurde unser Freizeitangebot erweitert, als sich die „Blue Stars“-Gardetanzgruppe dem TSV Pilgerzell anschloss. Somit wurde nicht nur Fußball gespielt, geturnt, Volleyball gespielt und getanzt, sondern auch die Fastnacht als Mittel der Geselligkeit für den gesamten Verein wiederentdeckt.

Im Jahr 2008 gründete sich eine Frauenfußballabteilung. Zunächst wurde eine B-Juniorinnenmannschaft im Spielbetrieb angemeldet, die von Michael Bleuel und Marc Leubecher ins Leben gerufen wurde.

Für Trainingsgeräte und als Ballmagazin der Jugend- und Seniorenmannschaften wurde 2008 ein Gartenhaus auf dem Gelände erstellt. Wiederum weitestgehend in Eigenleistung der Vereinsmitglieder und mit geringen Zuschüssen der Gemeinde. Heute wird das Häuschen zusätzlich noch für die Platzansagen benutzt. 2009 wurde der Gastraum im Sporthaus modern und hell renoviert: Die Beleuchtung mit den in die Jahre gekommenen Lampen von  1980 musste einer modernen Beleuchtung weichen.

In der Saison 2010/2011 stieg unsere erste Mannschaft mit dem scheidenden Trainer Gianni Leonangeli leider wieder in die A-Liga ab. Andreas Schäfer aus Niesig trat in die großen Fußstapfen unseres heutigen Jugendleiters. Schäfer gelang es, die nach einem Umbruch verjüngte Mannschaft schnell wieder aufzurichten. Das 100-jährige Jubiläum vor Augen, steigerte sich der TSV Pilgerzell in der A-Liga Fulda von Spiel zu Spiel und stieg nach einem 2:0-Sieg am letzten Spieltag bei der SG Elters/Eckweisbach (Tore: Philip Moritz, Sascha Bleuel) tatsächlich direkt wieder in die Bezirksliga, die mittlerweile Kreisoberliga hieß, auf.

Die sportliche Entwicklung der ersten Seniorenmannschaft blieb auch in der Saison 2012/2013 spannend: Aufgrund einer schwachen Rückrunde in der Kreisoberliga Fulda Mitte mussten unserer Fußballer am Ende der Spielzeit wieder einmal Relegation spielen: Dank eines 3:1 im Heimspiel gegen Steinbach II und eines 1:1 bei der Spvgg. Bimbach gelang den Jungs von Andreas Schäfer, der sich nach zwei Jahren vom TSV Pilgerzell verabschiedete, gerade noch der Klassenerhalt. Auf Schäfer folgte der Bachrainer Robby Neuhäußer.

In der Saison 2013/2014 machte vor allem unsere zweite Herrenmannschaft auf sich aufmerksam: Das Team von Trainer Lukas Dehler dominierte die B-Liga Fulda-Mitte nach Belieben und fuhr als erste Pilgerzeller Fußballmannschaft überhaupt ungeschlagen die Meisterschaft ein. Schwierig gestaltete sich jedoch die Spielzeit darauf: Die erste Mannschaft, die in die Kreisoberliga Fulda Süd umgruppiert worden war, spielte eine schlechte Rückrunde (nur 11 Punkte aus 15 Spielen) und brauchte im letzten Saisonspiel beim Derby in Engelhelms einen Punkt, um zumindest die Relegation zu erreichen. Am kleinen Engelhelmser Platz ereignete sich ein Spektakel: Am Ende hieß es 4:4 – eigentlich hätte unsere Mannschaft nun in der Relegation gegen Schweben und Veitsteinbach spielen müssen.

Doch daraus wurde nichts: Denn das Spiel in Engelhelms wurde für nichtig erklärt, da der extra für diese Partie reaktivierte Ex-Trainer Andreas Schäfer nicht spielberechtigt gewesen sein soll. Es folgte ein längerer Gerichtsstreit, schließlich wurde das Spiel in Engelhelms nach einem Entschluss des Sportgerichts des Hessischen Fußball-Verbands neu angesetzt. Die zweite Partie in Engelhelms war von Gewittern und Dramatik geprägt: Nach einem bitteren 1:2 vor 2500 Zuschauern musste der TSV erneut in die A-Liga. Auch die zweite Mannschaft, die sportlich den Klassenerhalt in der A-Liga Fulda gepackt hatte, musste deshalb in die B-Klasse zurück.

Es sprach für den Charakter der Mannschaft, dass der neue Coach Torsten Renz nach dem Abstieg keinen einzigen Abgang kompensieren musste. Mit einer gehörigen Portion Trotz ging das Team um den Torjäger Victor Faulstich in der A-Liga Fulda an den Start. Nach holprigem Saisonstart gewann der TSV Pilgerzell mehr und mehr an Selbstvertrauen, verlor in der Rückserie nicht ein Spiel und kehrte nach einem 3:0 am drittletzten Spieltag der Saison 2015/2016 wieder in die KOL zurück. Dort hat das Team unter dem gebürtigen Gieseler Renz zuletzt weitere spielerische Fortschritte gemacht sowie an Breite im Kader gewonnen und erreichte in der abgelaufenen Spielzeit als Neuling Rang fünf und stellte damit die beste Vereinsplatzierung in der Geschichte ein.

Foto: Meistermannschaft der Saison 2015/2016 – Direkter Wiederaufstieg in die Kreisoberliga Mitte

Äußerst erfolgreich verkauften sich auch unsere Frauenmannschaften in der jüngeren Vergangenheit: Die erste Mannschaft wurde in der Spielzeit 2014/2015 Meister in der Gruppenliga Fulda und repräsentierte den Verein damit erstmals auf Verbandsebene. Nach dem Abstieg 2016 gelang in der Saison 2016/17 unter Coach Marcus Neugebauer der sofortige Wiederaufstieg. In der Halle hatte die Mannschaft im Februar 2017 bereits einen sensationellen Erfolg gefeiert, als in Grünberg der Titel des Hessenmeisters errungen wurde. Die zweite Seniorinnenmannschaft wurde 2016 unter Alexander Hofmann Meister der Kreisoberliga Süd, durfte den Aufstieg durch den zeitgleichen Abstieg des Verbandsligateams jedoch nicht wahrnehmen.

Unsere B-Juniorinnen fuhren in der Saison 2016/2017 souverän den Titel in der A-Liga ein und spielen in der kommenden Spielzeit 2017/2018 erstmals überregional, und zwar in der Verbandsliga Süd. Stichwort Jugend: Wie schon in der Vergangenheit hat der demographische Wandel die Vereinsverantwortliche dazu bewogen, eine Jugendspielgemeinschaft einzugehen. Seit der Saison 2015/16 spielen junge Pilgerzeller Fußballer wieder unter dem Dach der JSG Florenberg, die sich aus den Stammvereinen SG Edelzell (federführend), SV Engelhelms und TSV Pilgerzell zusammensetzt. Zunächst agierte man von der A- bis zur D-Jugend im Kollektiv, ab der Spielzeit 2017/2018 sind sämtliche Juniorenteams mit Pilgerzeller Jungkickern unter dem Dach der JSG zu Hause.

Foto: Meister und direkter Wiederaufstieg in die Verbandsliga Nord – Damen 2016/2017

Auch infrastrukturell ging es in Pilgerzell in den vergangenen beiden Jahren voran: Der Sportplatz an der Hut ist saniert worden. Die Rasenfläche wurde erneuert, der Platz umzäunt. Dazu wurde rund um das Spielfeld eine Flutlichtanlage installiert. Da neben dem Platz an der Hut auch noch der Kunstrasen am Noppen der Gemeinde Künzell zur Verfügung steht, ist gerade in den Wintermonaten ein geregelter Trainingsbetrieb für alle Mannschaft gewährleistet. Auch am Andreasweg tut sich einiges: Der neue Sportplatz erhält derzeit eine neue Grillhütte, die durch die Zuschüsse der Gemeinde, eine großzügige Spende eines Vereinsmitglieds sowie Eigenleistung der Vereinsmitglieder finanziert wird.

Unser Verein hat Stand Juni 2017 542 Mitglieder, darunter 23 Ehrenmitglieder. Neben zwei Herren-, zwei Frauen- und diversen Juniorenmannschaft beherbergt der Vereine eine große Turnabteilung, in der sich neben einer über lange Jahre bestehenden Gymnastikgruppe mittlerweile 125 von Susanne Mehler und Kerstin Detsch angeleitete Kinder sportlich betätigen, sowie eine Volleyballgruppe, die unter der Leitung von Harry Hauschild bei diversen Freizeitturnieren mitspielt.